Kartenvorteil Teil 1

Wir haben mehrere Zuschriften erhalten, in denen sich Leser unserer Artikel fragten, was wir eigentlich mit "Kartenvorteil" meinen würden. Zwar fällt der Begriff ständig, insbesondere wenn es um die Einschätzung der Stärke von Karten geht, allerdings haben wir ihn noch nie erklärt. Das wollen wir heute nachholen und euch erläutern, was es mit dem wichtigsten Begriff im Yu-Gi-Oh! Trading Card Game auf sich hat.

Wie zählt man Karten?

Je mehr Karten euch zur Verfügung stehen, desto mehr Optionen habt ihr, um euren Gegner in eine schwierige Lage zu bringen, aus der er vielleicht gar keinen Ausweg mehr findet. Da ihr mit den wenigsten der Karten, die sich in eurem Deck, eurem Friedhof oder in der Zone der verbannten Karten befinden, etwas anfangen könnt, zählt man im Normalfall lediglich die Karten, die sich auf eurer Hand und eurer Spielfeldseite befinden. Haltet ihr also beispielsweise 3 Karten auf der Hand und habt ihr noch 2 Monster auf dem Spielfeld, so beträgt die Gesamtzahl der euch zur Verfügung stehenden Karten 5.

Darauf aufbauend lässt sich auch sehr leicht "Kartenvorteil" berechnen. Hält euer Gegner im selben Beispiel 4 Karten auf der Hand, hat dafür aber kein Monster auf dem Spielfeld, so habt ihr selbst einen Kartenvorteil von 1, da man hier einfach die Differenz der Anzahl der Karten beider Spieler berechnet.
Soweit so gut. Doch warum ist es nun so wichtig, in Kartenvorteil zu sein?

Kartenvorteil gewinnt Spiele!

Stellt euch vor, euer Gegner hat bereits 3 Monster auf dem Spielfeld. Er setzt zu einem Großangriff an und ihr aktiviert Spiegelkraft. Euer Gegner verliert nun 3 Karten, während ihr nur 1 Karte verloren habt. Folglich habt ihr euch nun gerade einen Kartenvorteil von 2 Karten erarbeitet. Da euer Gegner nicht einfach so 2 neue Karten in seine Hand zaubern kann, wird es ihm nun deutlich schwerer fallen, Druck auf euch auszuüben und das Spiel zu gewinnen. Ihr hingegen könnt eure Monster nun ausspielen und ihn ordentlich in die Defensive drängen. Selbstverständlich kann er auch auf Karten wie Spiegelkraft bauen, um eure Monster vom Feld zu nehmen, doch wenn ihr nur mit 1 Monster in seine Falle tappt, so habt ihr immer noch 2 Karten mehr, mit denen ihr das Spiel womöglich gewinnen könnt!

Zwar ist das Spiel aktuell wieder etwas schneller, so dass mitunter auch schon mal Decks gewinnen können, die einfach nur schnell genug ausreichend viel Schaden anrichten können, so dass der Kartenvorteil gar nicht zum Tragen kommt, doch sobald ein Spiel etwas länger andauert, so gewinnt in einem Großteil der Fälle der Spieler, dem mehr Karten zur Verfügung stehen.

Das ist der Grund, warum bessere Spieler wie Michel Grüner auch mal mit einem schwächeren Monster (z. B. XX-Säbel Emmersklinge) in ein stärkeres Monster (z. B. den Sternenstaubdrache seines Gegners) rennen – sie wissen, dass sie am Ende durch die nun ermöglichte Synchrobeschwörung mit Hilfe des geholten XX-Säbel-Finsterseele Kartenvorteil erarbeiten und ihr Gegner plötzlich ohne Monster da steht und das Spiel folglich fast schon abschreiben kann. Dass der bessere Spieler zuvor Life Points eingebüßt hat, um diesen Zug so durchführen zu können, ist an der Stelle eher vernachlässigbar für ihn – denn mit Life Points kann man sich nur sehr selten Kartenvorteil erkaufen.

Life Points sind unbedeutend

Das bringt uns auch direkt zur letzten Lektion des heutigen Artikels. Life Points sind in den meisten Spielen sehr egal. Erst wenn man kurz vor dem Verlust des Spiels steht, gewinnen Life Points an Bedeutung. Spielt ihr nicht gerade haufenweise Effekte, die als Aktivierungsbedingung ein Opfer eurer LPs verlangen (beispielsweise Ernste Warnung), so könnt ihr ruhig auch mal einen Angriff eures Gegners hinnehmen, solange ihr dabei keine Karte einbüßt. Entsprechen werden Karten wie Magischer Zylinder nur selten gespielt – sie kosten euren Gegner zwar Life Points, doch da er nach und nach weiter in Kartenvorteil geht, während ihr solche Karten ausspielt und anschließend immer noch eine Bedrohung vor euch habt, verliert ihr über kurz oder lang die Oberhand über das Spiel.

Im nächsten Teil unserer kleinen Serie erklären wir euch, wie man am einfachsten Kartenvorteil erarbeitet und reißen auch einige der Schlüsselcombos der aktuell beliebtesten Decks an, um die Funktionsweise zu verdeutlichen!

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